Die Gaufürstengräber III-V von Assiut/The Nomarchs‘ Tombs III-V of Asyut

Grab_III

Grab III Vorhof/Tomb III Forecourt (© The Asyut Project; J. Kahl)

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Grab III, IV und V (Erste Zwischenzeit)
Von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Endes der Ersten Zwischenzeit sind - in dieser vermuteten chronologischen Abfolge - die Gräber V, III und IV. Sie wurden für die damaligen Gaufürsten angelegt: für Cheti I., Iti-ibi und Cheti II und wirkten noch über zweitausend Jahre in Ägypten nach (Der Anteil Assiuts am kulturellen Gedächtnis Ägyptens). In ihnen wird unter anderem von den kriegerischen Auseinandersetzungen Assiuts mit Truppen aus dem Süden Ägyptens berichtet, die unter thebanischer Führung standen. Mehrere Jahre tobten Kämpfe um Assiut: Die Stadt wurde erobert, entsetzt und wieder erobert. Nicht nur der Inhalt der Grabinschriften gibt Hinweise auf diese kriegerischen Geschehnisse (Projekt), auch Änderungen im Dekorationsprogramm zeugen von der besonderen Schwere der Ereignisse: So wurde die autobiographische Inschrift in Grab III, die in eindeutig anti-thebanischer Sichtweise über die Erfolge des siutischen Gaufürsten Iti-ibi im Bürgerkrieg berichtet, nicht vollständig in Stein gemeißelt, sondern vor Vollendung mit einer Gipsschicht überzogen und mit einer politisch neutralen Darstellung übermalt. Heute sind Teile beider Schichten sichtbar. Kurz nachdem Iti-ibi die Inschrift hatte verfassen lassen, war er offensichtlich gezwungen, den anti-thebanischen Inhalt zu tilgen - als Erklärung kommt nur eine militärische Niederlage des Nomarchen in Betracht. Grab III hat zwar wegen seiner autobiographischen Inschrift seit seiner Dokumentation durch die Französische Expedition im Jahre 1799 einen festen Platz in der Ägyptologie, aber dennoch ist es niemals vollständig ausgegraben und publiziert worden.
Plünderungen und Wiederbenutzung(en) in der Antike, die Sprengung der Grabfront mit Dynamit sowie zu Beginn des 20. Jahrhunderts die „Präsenz” des französischen Archäologen Palanque und kurz darauf des italienischen Ägyptologen Schiaparelli trugen zu massiven Störungen des originalen archäologischen Befundes bei. Die Überreste dieser frühen Ausgräber sind heute noch zahlreich erkennbar: Korken französischen Weins; Zigarettenschachteln, Verschlüsse italienischen Wermuts, Briefe und Fundteilungszettel. Nachdem jedoch beim ersten Survey im Jahre 2003 eine zweite Pfeilerreihe in der großen Halle von Grab III entdeckt werden konnte, stand fest, dass sich neben epigraphischer Tätigkeiten noch weitere archäologische Untersuchungen in dem Grab lohnen würden. So konzentrierten sich die Arbeiten im Jahre 2005 auf das Reinigen der großen Halle und auf den südlichen Teil des Vorhofs. Dabei wurde offensichtlich, dass der großen Halle zwei kleine Räume, über deren Existenz bislang nichts bekannt war, vorgelagert waren. Zusätzlich zu drei bereits bekannten Grabschächten konnte in der Halle ein weiterer, bislang unbekannter Grabschacht (Schacht 4) freigelegt werden. Somit erscheint die Architektur des Grabes, das über Jahrzehnte und Jahrhunderte gerne als Beispiel für die „altmodische” Grabarchitektur der Ersten Zwischenzeit in Assiut (Brunner, Anlagen der Felsgräber, 63) zitiert wurde, heute in einer völlig anderen Gestalt.

Die Reinigung von Grab IV/N12.2 in den Jahren 2004-2005 resultierte unter anderem in der Entdeckung von zwei Schächten, die der Wissenschaft bisher unbekannt waren. Während Schacht 1 in einer südlich gelegenen Kammer endet, bietet Schacht 2 Zugang zu drei südlichen und zwei nördlichen, übereinander angelegten Kammern. Beide Schächte waren zwar bereits in der Antike beraubt worden; archäologische Funde deuten aber darauf hin, dass sie zur ursprünglichen Anlage von Grab IV in der Ersten Zwischenzeit gehören. In den Jahren nach der Reinigung von Grab IV erfolgte die epigraphische Aufnahme der in versenktem Relief angelegten Dekoration und der Inschriften des Grabinnenraums. An der Südwand sind marschierende Soldaten dargestellt; an der Nordwand berichtet die autobiographische Inschrift des Grabherrn Cheti II. von Kämpfen zwischen Herakleopolis und Cheti II. auf der einen Seite und den thebanischen Truppen auf der anderen. In diesem Zusammenhang wird auch König Merikare aus der 10. Dynastie erwähnt. Die Inschrift zählt zu den wichtigsten Zeugnissen der Geschehnisse während der Ersten Zwischenzeit. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts diente Grab IV (wie auch Grab III) als Basiscamp und Magazin für Ausgräber.

2009 wurde mit der Freilegung von Grab V/M11.1 von Cheti I. begonnen, die noch andauert. Das Grab ist durch Steinbrucharbeiten und Sprengungen stark zerstört, seine Decke ist eingestürzt und der Innenraum war daher meterhoch mit Schutt verfüllt. Erhalten sind heute lediglich die Westwand mit einer reliefierten Scheintür und Resten gemalter Dekoration sowie Teile der Nord- und Südwand. Der Grundriss ist irregulär gestaltet und war ursprünglich durch zwei Pfeiler in einen vorderen und hinteren Bereich untergliedert. Die Reinigung führte zur Entdeckung von zwei bisher unbekannten Schächten: Schacht 1 ist unfertig und nur knapp 1,5 m tief. Schacht 2 hingegen weist akkurat behauene Schachtwände auf, die in 10 m Tiefe vor einem Eingang zu einer 5 x 5 m breiten Kammer enden, die durch einen Pfeiler und einen ost-westlich verlaufenden Architrav gegliedert ist. Eine derartige Gestaltung der Grabkammer ist in Assiut ansonsten nirgends belegt. Untersuchungen der Holzmodelle, Gefäßverschlüsse und Keramik aus Schacht 2 deuten auf eine Datierung der Anlage in die Erste Zwischenzeit.

Publikationen

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Tombs III, IV and V (First Intermediate Period)
Tombs V, III and IV, in assumed chronological order, are of particular importance in terms of their contribution to the history of the end of the First Intermediate Period. They were created for the nomarchs at that time (Khety I, Iti-ibi and Khety II) and functioned over two thousand years in Egypt (The role of Asyut in the cultural memory of Egypt). In the tombs it is reported that Asyut was involved in the civil war against southern districts and troops under the control of the Theban command. During that period several years of fighting raged around Asyut: the city was conquered, threatened and once again conquered. Not only the contents of tomb inscriptions show the evidence of this incident (Project), but also the modifications on the associated decorations testify to the seriousness of this incident. The autobiographical text in Tomb III reports on the clear anti-Theban perception of the Asyuti Nomarch Iti-ibi during the civil war. However it was not completely carved on stone; instead it was covered with plaster and a politically neutral inscription was painted over it. Today parts of both layers are visible. Shortly after Iti-ibi had to write the inscription, he was apparently forced to erase the anti-Theban content- an almost certain indication of the defeat of the nomarch. Tomb III has had a solid place in Egyptology since the documentation of the autobiographical inscription of Iti-ibi by the French expedition in 1799. However, it has never been completely excavated and described in publications.Many factors have contributed to the major disturbance of the archaeological record in the tombs. These include: Plundering and re-use in the ancient world; the blasting of the tomb front with dynamite as well as other activities carried out by early archaeologists (e.g. the French archaeologist Palanque and, shortly after, the Italian Egyptologist Schiaparelli at the beginning of the 20th century). The remnants of the early activities are still visible in artefacts such as French wine corks, cigarette boxes, stoppers of Italian Vermouth bottles, letters and find slips.After the first survey in 2003, a second series of pillars in the large hall in Tomb III was discovered. It was clear that in addition to epigraphic works, further archaeological investigations in the tomb would be worthwhile. Therefore, in 2005, the work focused on the cleaning of the large hall and the southern part of the forecourt. The large hall was found to contain two previously unknown small chambers. Then, in addition to three already known tomb shafts, another previously unknown tomb shaft (shaft 4) was uncovered in the hall. Thus, the architecture of the tomb, which was quoted as an example of the "old fashioned" tomb architecture of the First Intermediate Period in Asyut (Brunner, Anlagen der Felsgräber, 63) for centuries, has now been completely revised.

Cleaning of Tomb IV (N12.2) in 2004-2005 resulted, among others, in the discovery of two shafts that were previously unknown in Egyptology. While shaft 1 ends in a southern chamber, shaft 2 gives access to three southern and two northern chambers on top of each other. Both shafts had been, indeed, already robbed in ancient times; archaeological finds, however, indicate that they belonged to the original structure of Tomb IV during the First Intermediate Period. Epigraphic recording of the decoration (executed in sunk relief) and the inscriptions of the tomb interior was carried out in the following years. On the southern wall of the middle part of the inner hall, there is a scene of marching soldiers. On the northern wall of the inner hall, there is an autobiographical inscription mentioning the fight against Theban troops. In this context, King Merikara of the 10th Dynasty is also mentioned. The inscription is one of the most important testimonies of what happened during the First Intermediate Period. Tomb IV (and Tomb III) served as a base camp and storeroom for early 20th century excavators.

Since 2009 Tomb V (M11.1) of Khety I has been cleaned. The tomb is heavily damaged by quarrying activities and blasting operations; its ceiling was collapsed and the interior was therefore filled with meters high debris. Today only the west wall with a false door (executed in relief) and remains of painted decoration as well as parts of the northern and southern walls are preserved. The ground plan was irregular and was originally subdivided by two pillars into a front and a back area. Cleaning resulted in the discovery of two previously unknown shafts: shaft 1 is unfinished with only about 1.5 m in depth. Shaft 2 is c. 10 m deep; it shows accurately worked shaft walls, which end in front of an entrance to a c. 5 x 5 m chamber, being divided by a pillar and an architrave running in east-west direction. Such tomb chamber layout is not known elsewhere in Asyut. Studies of wooden models, pottery and stoppers from shaft 2 suggest a First Intermediate Period date.

Publications